Erst den eigenen Arbeitsplatz ausmessen
Ein Bürostuhl soll zu dir und zum Tisch passen. Miss vor dem Vergleich die Arbeitshöhe und prüfe, ob du mit beiden Füßen stabil stehst, während die Unterarme entspannt auf der Arbeitsfläche liegen können. Wenn du den vorhandenen Stuhl ersetzen willst, notiere auch, was dich stört: eine zu tiefe Sitzfläche, eine nicht passende Sitzhöhe, Armlehnen, die am Tisch anstoßen, oder eine Rückenlehne, die sich nicht sinnvoll anpassen lässt.
Die DGUV behandelt Sitz und Rückenlehne als Teil des gesamten Bildschirmarbeitsplatzes. Ein als „ergonomisch“ beworbener Stuhl ist deshalb nicht automatisch für jede Körpergröße und Tischhöhe geeignet. Der Ratgeber zum ergonomischen Arbeitsplatz erklärt, wie du die vorhandene Sitzposition einstellst; hier geht es darum, worauf du beim Kauf und beim Probesitzen achten kannst.
Sitzhöhe und Sitztiefe müssen einstellbar sein
Stelle die Sitzhöhe so ein, dass deine Füße sicher auf dem Boden oder einer passend gewählten Fußstütze stehen und du die Unterarme am Tisch entspannt ablegen kannst. Der Verstellbereich muss dafür zu deiner Körpergröße und zur festen oder verstellbaren Tischhöhe passen. Lass dich nicht allein von der Gesamtgröße des Stuhls leiten: Entscheidend ist die minimale und maximale Sitzhöhe aus dem technischen Datenblatt.
Bei der Sitztiefe soll die Rückenlehne deinen Rücken stützen, während die Sitzvorderkante nicht gegen die Kniekehle drückt. Die DGUV empfiehlt verstellbare Sitztiefen, weil die Beinlängen von Nutzenden deutlich variieren. Probiere die Einstellung mit angelehntem Rücken aus. Wenn du nur mit nach vorn gerutschtem Gesäß an die Lehne kommst oder die Sitzkante hinten an den Knien drückt, passt der Einstellbereich wahrscheinlich nicht zu dir.
Vergleiche Maßangaben mit dem eigenen Körper und dem vorgesehenen Einsatz. Die DGUV nennt in ihren Unterlagen Maße und Verstellbereiche als Anforderungen beziehungsweise Empfehlungen für Büroarbeitsstühle. Solche Werte sind ein sachlicher Vergleichspunkt, ersetzen aber nicht die Prüfung, ob der konkrete Stuhl an deinem Arbeitsplatz passend eingestellt werden kann.
Rückenlehne und Armlehnen im Zusammenhang prüfen
Die Rückenlehne sollte sich so einstellen lassen, dass sie deinen Rücken in der vorgesehenen Sitzposition unterstützt und eine bequeme Bewegung nicht blockiert. Prüfe, ob Höhe, Neigung und gegebenenfalls eine Lordosenstütze zu deinem Rücken passen. Mehr Verstellfunktionen sind nur nützlich, wenn du sie ohne Umwege einstellen kannst und sie in der gewählten Position bleiben.
Armlehnen sollten deine Unterarme entspannt abstützen können, ohne dass du die Schultern anhebst. Prüfe außerdem, ob sie tief oder weit genug eingestellt werden können, damit du den Stuhl nah an den Tisch schieben kannst. Bei einem festen Tisch können zu hohe, nicht verstellbare Armlehnen den Stuhl vom Tisch fernhalten und eine passende Sitzposition erschweren.
Eine spezielle Mechanik oder eine Bezeichnung wie „3D“ sagt allein nicht, ob ein Stuhl zu deinem Körper und deiner Tätigkeit passt. Probiere die Rückenlehne aus, stelle den Widerstand nach Anleitung ein und achte darauf, ob du dich bequem zurücklehnen und deine Arbeit erledigen kannst. Der bestehende Ratgeber zu Bürostuhlstoffen und Martindale-Werten erklärt ergänzend, was sich aus einem Abriebwert ablesen lässt und was nicht.
Probesitzen mit einer festen Prüfreihenfolge
Wenn du einen Stuhl im Geschäft testen oder zu Hause nach der Lieferung prüfen kannst, stelle ihn in dieser Reihenfolge ein:
- Sitzhöhe: Füße stehen stabil; am Tisch kannst du die Unterarme locker ablegen.
- Sitztiefe: Der Rücken liegt an der Lehne, ohne Druck an der Kniekehle.
- Rückenlehne: Höhe und Neigung unterstützen dich in deiner typischen Arbeitshaltung.
- Armlehnen: Die Unterarme liegen entspannt auf, und der Stuhl passt nah an den Tisch.
- Bewegung und Bedienung: Verstellungen lassen sich erreichen und bleiben in der gewählten Einstellung.
- Boden und Rollen: Prüfe im Datenblatt, für welchen Bodenbelag die Rollen vorgesehen sind; die DGUV nennt eine Anpassung der Rollen an den Fußboden.
Teste den Stuhl mit der üblichen Arbeitsfläche und Kleidung, nicht nur für wenige Sekunden in einer beliebigen Einstellung. Wenn mehrere Personen ihn nutzen, sollte jede Person die nötigen Einstellungen wiederfinden und verändern können. Bei körperlichen Beschwerden ist ein Bürostuhl-Ratgeber keine individuelle medizinische Beratung.
Sortiment nur als Suchhilfe
Die Bürostuhl-Auswahl bei Chairgo zeigte bei der Prüfung am 23.10.2026 Filter unter anderem für Sondersitzhöhen, Belastungsangaben und Ausstattung. Solche Filter helfen, Modelle für einen Vergleich einzugrenzen. Die Händlerangaben sind kommerzielle Produktinformationen und belegen weder eine unabhängige Qualitätsbewertung noch die Passform für eine bestimmte Person. Prüfe Maße und Einstellungen für das konkrete Modell in dessen Datenblatt.
Quellen und Prüfung
- DGUV Information 215-410: Bildschirm- und Büroarbeitsplätze – Leitfaden für die Gestaltung – Sitztiefe an Körpermaße anpassen, Kniekehlenbereich freihalten und Verstellbarkeit berücksichtigen; Ausgabe Juli 2019, von der DGUV weiterhin in ihrer Publikationsübersicht geführt; geprüft am 23.10.2026.
- DGUV Grundsatz 315-411: Qualitätskriterien für Büroarbeitsplätze – Anforderungen an Produkte – produktbezogene Kriterien unter anderem für Sitzhöhe, Sitztiefe, Rückenlehne und Armlehnen; Ausgabe Juli 2022; geprüft am 23.10.2026.
- DGUV: Büroarbeitsstühle und Arbeitsplätze – aktuelle Publikationsübersicht, in der die DGUV Information 215-410 geführt wird; geprüft am 23.10.2026.
- Chairgo: Bürostuhl-Auswahl – aktivierter Shop im Vertical Ergonomie; Sichtung der Filter und Sortimentsthemen, keine unabhängige Bewertung; geprüft am 23.10.2026.
Allgemeine Orientierung zur Auswahl, keine individuelle medizinische Beratung. Konkrete Verstellbereiche, Belastungsangaben, Rollen und Bedienung können je Modell abweichen.