Wenn die Nächte kälter werden, lohnt sich ein Blick auf die Reifen, bevor der erste Frost überrascht. Entscheidend ist nicht ein fester Kalendertag, sondern ob die Reifen zum Fahrzeug passen, in gutem Zustand sind und bei winterlichen Straßenverhältnissen die gesetzlichen Anforderungen erfüllen.
Wann sind Winterreifen vorgeschrieben?
Für Pkw gilt in Deutschland eine situative Winterreifenpflicht. Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte darf ein Pkw nur gefahren werden, wenn alle vier Räder mit Reifen ausgerüstet sind, die das Alpine-Symbol tragen. Eine allgemeine Pflicht ab einem bestimmten Datum gibt es nicht. Seit dem Ende der Übergangsfrist am 30. September 2024 reicht die alleinige M+S-Kennzeichnung nicht mehr. Auch Ganzjahresreifen brauchen das Alpine-Symbol, wenn sie bei den genannten Bedingungen eingesetzt werden. Für Fahrzeuge der Klassen M2, M3, N2 und N3 gelten unter den in § 2 Absatz 3a StVO genannten Voraussetzungen abweichende Achsregeln. Weitere Ausnahmen sind in derselben Vorschrift aufgeführt; prüfe bei solchen Fahrzeugen die Fahrzeugklasse und die konkrete Regel in den Fahrzeugpapieren und im Gesetz.
Vor dem Wechsel: Reifen und Fahrzeug prüfen
- Kennzeichnung: Vergleiche die Reifengröße und weitere Vorgaben mit der Zulassungsbescheinigung und den Fahrzeugunterlagen. Bei Unsicherheit hilft eine Fachwerkstatt.
- Profil: Gesetzlich sind mindestens 1,6 mm vorgeschrieben. Der ADAC empfiehlt für Winterreifen mindestens 4 mm Restprofil. Eine ADAC-Untersuchung mit fünf Winterreifen, die im September 2026 veröffentlicht wurde, bestätigte die Empfehlung: Zwischen 4 und 2 mm nahm die Leistung in mehreren Disziplinen deutlich stärker ab; besonders Aquaplaning wurde problematischer. Vier Millimeter sind eine Sicherheitsempfehlung, keine gesetzliche Mindesttiefe. Miss an mehreren Stellen, denn ungleichmäßiger Verschleiß kann auf ein Problem hinweisen.
- Alter: Die letzten vier Ziffern der DOT-Kennzeichnung auf der Reifenflanke geben Produktionswoche und -jahr an. Das Alter allein ist keine gesetzliche Austauschgrenze; Risse, Beschädigungen, Verformungen und die Nutzungshistorie gehören ebenfalls zur Beurteilung.
- Luftdruck: Prüfe den Druck nach der Montage und richte dich nach den Angaben des Fahrzeugherstellers, etwa in der Betriebsanleitung oder am Fahrzeug.
Reifenkennzeichnung: Last- und Geschwindigkeitsindex prüfen
Auf der Reifenflanke folgen auf die Reifengröße Kennzahlen wie 91 V. Die Zahl bezeichnet den Lastindex (Tragfähigkeitsindex), der Buchstabe den Geschwindigkeitsindex. Beide Werte müssen zusammen zu Fahrzeug und geplanter Verwendung passen. Ein höherer Lastindex allein ist kein Ersatz für die vorgeschriebene Dimension oder andere Fahrzeugvorgaben.
Prüfe die erlaubten Reifen in der Zulassungsbescheinigung Teil I und gegebenenfalls im CoC-Dokument (EG-Übereinstimmungsbescheinigung). Auf dem Reifen selbst findest du die Kennzeichnung an der Flanke. Der letzte Buchstabe der Reifenbezeichnung ist der Geschwindigkeitsindex und gibt die zugelassene Reifengeschwindigkeit an. Zum Beispiel steht T für bis zu 190 km/h und V für bis zu 240 km/h. Das sind technische Obergrenzen des Reifens, keine Empfehlung für die Fahrgeschwindigkeit. Vergleiche den Index mit den Eintragungen in den Zeilen 15.1 und 15.2 der Zulassungsbescheinigung Teil I; weitere freigegebene Reifengrößen können im CoC-Dokument des Fahrzeugherstellers stehen. Ein höherer Index ist grundsätzlich zulässig; einen niedrigeren darfst du nicht ohne passende Ausnahme einsetzen. Für Winter- und Ganzjahresreifen mit Alpine-Symbol kann ein niedrigerer Index zulässig sein. Dann muss die reduzierte Reifengeschwindigkeit im Sichtfeld oder per Displayhinweis angezeigt und eingehalten werden. Bei abweichenden Eintragungen oder Importfahrzeugen lass die Kombination von einer Fachwerkstatt prüfen.
Radwechsel: Sicherheit geht vor
Ein Radwechsel zu Hause setzt einen ebenen, tragfähigen Untergrund und geeignetes Werkzeug voraus. Sichere das Fahrzeug gegen Wegrollen, nutze nur die vom Hersteller vorgesehenen Aufnahmepunkte und ziehe Radschrauben mit dem vorgeschriebenen Drehmoment an. Die Vorgaben unterscheiden sich je nach Fahrzeug und Rad. Wenn Werkzeug, sichere Arbeitsbedingungen oder Erfahrung fehlen, ist die Werkstatt die passende Wahl. Bei ungewöhnlichen Vibrationen, Geräuschen oder verändertem Fahrverhalten nach dem Wechsel solltest du sicher anhalten und die Montage prüfen lassen.
Was kostet der Wechsel?
Einen einheitlichen Preis gibt es nicht. Kosten hängen unter anderem davon ab, ob komplette Räder getauscht oder Reifen auf Felgen montiert werden, welche Dimension das Fahrzeug nutzt und ob Zusatzarbeiten wie Auswuchten nötig sind. Hole vor der Terminbuchung ein Angebot ein und kläre, welche Arbeiten enthalten sind. In der Saison kann es sinnvoll sein, den Termin früh zu vereinbaren.
Kurzcheck vor der ersten Fahrt
- Alpine-Symbol und passende Reifengröße kontrollieren.
- Profil, sichtbare Schäden und Verschleiß prüfen.
- Vorgeschriebenen Luftdruck einstellen.
- Nach dem Wechsel auf auffällige Geräusche oder Vibrationen achten und bei Auffälligkeiten nicht weiterfahren, bis die Ursache geklärt ist.
Quellen und Prüfstand
- ADAC: Geschwindigkeitsindex – Buchstabenwerte, Fahrzeugunterlagen und Winterreifen-Ausnahme; aktualisiert am 8. Oktober 2026, geprüft am 25. Oktober 2026.
- ADAC: Reifenkennzeichnung – Einordnung der Kennzeichnung und winterlichen Verwendung; geprüft am 25. Oktober 2026.
- kfzteile24: Geschwindigkeitsindex – Erklärung und Tabelle – kommerzielle Themenquelle, direkt geprüft am 25. Oktober 2026. Technische Angaben wurden mit dem ADAC abgeglichen; die pauschale Aussage zum Erlöschen des Versicherungsschutzes sowie die ungeprüften Sanktionsangaben wurden nicht übernommen.
- § 2 StVO, Absatz 3a – situative Winterreifenpflicht, Sonderregeln zu Achsen und Ausnahmen; aktuelle Fassung geprüft am 24. Oktober 2026.
- § 52 StVO, Absatz 2 und § 36 StVZO – Ende der Übergangsfrist für M+S-Reifen am 30. September 2024 und Kennzeichnung mit Alpine-Symbol; geprüft am 24. Oktober 2026.
- ADAC: Winterreifenpflicht in Deutschland – Einordnung der situativen Pflicht, des Alpine-Symbols und der Profiltiefen-Empfehlung; geprüft am 24. Oktober 2026.
- ADAC: Untersuchung zur Profiltiefe von Winterreifen, 8. September 2026 – aktuelle Untersuchung zum Leistungseinbruch zwischen vier und zwei Millimetern; geprüft am 24. Oktober 2026.
- ADAC: Räder oder Reifen wechseln – Hinweise zum sicheren Radwechsel; geprüft am 24. Oktober 2026.
- ADAC: Lastindex bei Reifen und Geschwindigkeitsindex – technische Kennzeichnung und Vorgaben; zuletzt aktualisiert 31. Juli bzw. 8. Oktober 2026, geprüft am 21. Oktober 2026.
- kfzteile24: Reifen wechseln – wann, warum und welche Kosten? – kommerzielle Themenquelle, direkt geprüft am 21. Oktober 2026. Die dort genannte pauschale Altersgrenze von sieben Jahren wurde nicht übernommen; Zustand, Schäden und Fahrzeug-/Reifenherstellerangaben sind maßgeblich.
Fahrzeughandbuch, Reifenkennzeichnung und aktuelle Vorschriften haben Vorrang.