Erst das Gewinde und den Einsatz bestimmen
Wenn eine Schraube nicht mehr sauber greift oder ein Bauteil befestigt werden soll, muss das neue Innengewinde zur Schraube und zum Werkstück passen. Kläre zuerst Gewindeart, Nenndurchmesser und Steigung. Prüfe außerdem Werkstoff, gewünschte Gewindetiefe und ob die Bohrung durch das Werkstück geht oder blind endet. Ähnliche Schrauben können unterschiedliche Steigungen oder Gewindeprofile haben.
Gewindebohrer passend zur Bohrung wählen
Ein Gewindebohrer schneidet das Profil in ein vorbereitetes Kernloch. Für Durchgangs- und Sacklöcher gibt es unterschiedliche Werkzeuggeometrien: Bei einem Durchgangsloch kann der Span nach vorn austreten; bei einem Sackloch muss die Werkzeugform den Span aus der Bohrung abführen. Werkstoff und Spanbildung beeinflussen ebenfalls die Wahl. Folge den Werkzeugangaben und verwende keinen Gewindebohrer nur deshalb, weil Durchmesser und Bezeichnung ähnlich wirken.
Gewindeformen ist ein anderes Verfahren: Das Material wird in die Gewindeform verdrängt, statt als Span abgetragen. Dafür ist eine passende Werkstoffgruppe erforderlich und der Vorbohrdurchmesser unterscheidet sich vom Kernloch für einen schneidenden Gewindebohrer. Gewindefräsen ist ein weiteres Verfahren und setzt geeignete Maschinen sowie Steuerung voraus. Für einen einfachen Reparaturfall ist ein passender Schneidgewindebohrer oft die naheliegende Methode; die konkrete Auswahl richtet sich nach Material, Tiefe und geforderter Genauigkeit.
Kernloch nicht nach einer pauschalen Faustregel bohren
Der passende Vorbohrdurchmesser hängt von Gewindeart, Nenndurchmesser, Steigung, Toleranz und Verfahren ab. Nutze die Tabelle des Werkzeugherstellers für genau diesen Gewindebohrer. Tabellen für schneidende und formende Werkzeuge sind nicht austauschbar. Wenn ein vorhandenes Gewinde repariert wird, identifiziere zuerst seine Abmessung und prüfe, ob ein Nachschneiden überhaupt möglich ist; ein beschädigtes oder schiefes Loch lässt sich durch einen anderen Gewindebohrer nicht automatisch korrigieren.
Arbeit sicher vorbereiten
Spanne Werkstücke beim Bohren gegen Mitdrehen fest ein und trage Augenschutz. Die DGUV empfiehlt, Bohrspäne nur bei stillstehender Spindel zu entfernen; bei rotierenden Maschinen gehören Handschuhe und lose Kleidung nicht in den Arbeitsbereich. Beachte zusätzlich die Bedienungsanleitung von Maschine und Werkzeug. Schneidmittel, Drehzahl und Vorschub hängen von Werkstoff und Werkzeug ab und sollten den Herstellerangaben folgen.
Ist das Gewinde Teil einer tragenden, druckführenden oder sicherheitsrelevanten Verbindung, lass die Reparatur fachgerecht beurteilen. Ein Gewinde, das sich einschrauben lässt, belegt für sich allein noch keine ausreichende Tragfähigkeit.
Zur Werkstattplanung gehört auch die Staub- und Späneerfassung. Der Ratgeber Werkstattabsaugung auswählen erläutert Auswahl und sichere Wartung für Absauganlagen.
Quellen und Prüfstand
- Hoffmann Group: Prozesssichere Gewindeherstellung – Innengewinde – Grundlagen, Verfahren, Durchgangs- und Sacklochwerkzeuge; Händler- und Fachquelle, geprüft am 21. Oktober 2026. Produktempfehlungen wurden nicht übernommen.
- Gühring: Bohrungsdurchmesser für schneidende Gewinde und technische Gewindeübersichten – Hersteller-Tabellen zu Gewindegrößen, Steigungen und Kernlochmaßen; geprüft am 21. Oktober 2026.
- DGUV Information 202-068: Sicheres Bohren – Werkstück sichern, Augenschutz und Späne nur bei Stillstand entfernen; gilt für den Bohrschritt und ersetzt keine Anleitung zum Gewindeschneiden; geprüft am 21. Oktober 2026.
Stand: 21. Oktober 2026. Bei sicherheitsrelevanten Bauteilen und unklarer Gewindeidentifikation ist fachkundige Prüfung erforderlich.